Das Wohnheim in Zahlen
- Bauzeit: 1978-1983
- Brutto-Rauminhalt: 14623 m³
- Brutto-Geschossfläche: 5099 m²
- Wohnfläche: 2684 m²
- Gesamtkosten: ca. 10 Mio. DM
Die Entwicklung des Wohnkomplexes
Zur Orientierung, welches Haus sich wo befindet, nutzen Sie bitte die nebenstehende Grafik. Zum Vergrößern, einfach die Grafik anklicken.
Weitere Bilder des Wohnheims finden Sie bei den Bildern oder in der allgemeinen Beschreibung des Wohnheims.
Entwicklung des Hauses 1
Das ursprüngliche Haus 1 (oberhalb des Torbogens) wurde 1944 zerstört. 1962 entstand an gleicher Stelle ein einfaches und schmuckloses Geschäfts- und Lagerhaus. Es wurde - in Anlehnung an ein Foto aus dem Jahre 1944 - zu einem Fachwerkhaus umgebaut: ein mächtiges viergeschossiges Fachwerk aus dem Jahre 1540 mit einer Steinkemenate aus dem 13. Jahrhundert.
Entwicklung des Hauses 2 / Kneipe
Das Haus 2 (neben dem Torbogen, über der Kneipe) war über Jahrhunderte Gasthof (Gasthof "Stadt Seesen") mit Pferdeausspann. Es ist etwa zwischen 1450 und 1500 erbaut worden.
Direkt an das Haus 2 schließt sich das schmalste Haus Braunschweigs an.
Rechts sehen Sie eine alte Kopie der Speisekarte des ehemaligen "Gasthaus Seesen", frühere Adresse: Güldenstr. 9.
Zahlreiche Um- und Ausbauten - in der Barockzeit wurde der gotischen Fassade u.a. ein breiter Zwerchgiebel aufgesetzt - hat das Haus in seiner 500-jährigen Geschichte relativ unbeschadet überstanden. Wesentliche Teile der gotischen Fachwerksubstanz und der Renaissancefassade sind erhalten und restauriert worden.
Interessant ist die kontruktive Ausführung des gotischen Fachwerkes:
Die Deckenbalken liegen freitragend über die gesamte Gebäudetiefe von rund 8,0m, ragen auf der Straßenseite um weitere 60cm über die Erdgeschossfassade hinaus und sind auf der Hofseite mit einem Zapfenschloss in dem über zwei Geschosse durchgehenden und ca. 7,0m langen Stielen eingezapft. Den Fußpunkt des Daches bildet eine Oberrähm-Dachbasis, die während des 15. Jahrhunderts ausgeführt wurde und heute nur noch in ganz seltenen Fällen erhalten ist.
Bei der Sanierung des Hauses 2 stand im Vordergrund, den urtümlichen Raumcharakter der Ergeschossdiele zu erhalten und die alten sichtbar und erlebbar zu lassen. Aus statischen Gründen mussten in der oberen Etage geschosshohe Fachwerkträger aus schlanken Stahlprofilen eingeplant werden. Mit Schlitzblechen und Stahldübeln sind die alten Deckenbalken der Diele um Untergurt des Stahlträgers eingehängt. Erreicht ist damit zugleich eine statische Lastminderung der alten Holzstiele der Aussenfassaden, so dass auf zusätliche Stahlstützen, Stahllaschen und dergleichen im Bereich der Fachwerkaussenwände verzichtet werden konnte.
Nach dem Umbau befindet sich um Erdgeschoss ein großer Gemeinschaftsraum (Kneipe) mit Theke und Sitzecke, sowie ein Saal mit Stühlen und Tischen im ehemaligen Pferdeausspann. Hinzu kommt noch der alte Gewölbekeller, der für Veranstaltungen ebenfalls mit Stühlen und Tischen ausgestattet werden kann.
Der Gemeinschaftsraum wird vom Netzwerk-Verein für die wöchentliche Netzwerk-Sprechstunde und die halbjährliche Mitgliederversammlung genutzt.
Darüber hinaus finden mehrmals im Jahr Feiern statt.
Entwicklung der Häuser 3, 4 & 6
Die Häuser 3, 4 und 6 sind ergänzende Neubauten aus Mauerwerk, in Schottenbauweise konzipiert.
Die Fachwerkfassaden sind aus Gründen des Feuerschutzes als nichttragende Bauteile vor den Rohbau gestellt, die ihr Eigengewicht selbständig auf dem unteren Mauerwerk ablasten. Gelenkig sind sie an den Stahlbetondecken gegen Abkippen gesichert.
Das Haus 5 (kleiner Innenhof, links vom großen Innenhof) ist ein Neubau auf dem Grundstück "An der Michaeliskirche 1" hinter alter Fassade.
Umfangreiche statische und konstruktive Untersuchungen ergaben, dass die Sanierung des gesamten Gebäudes mit nachträglicher Heizungs- und Sanitärinstallation nicht möglich sein würde. Daher sind nach Fertigstellung des Rohbaus alle Fassadenhölzer als selbsttragendes, eigenständiges Außenwandteil originalgetreu vor den Neubau gestellt.
Auf der Seite der Echternstraße ist die Schwelle des Obergeschosses mit einem gotischen Treppenfries geschmückt, darunter befinden sich derbe gotische Knaggen; die Deckenbalken des Obergeschosses sind mit Zapfenschlössern an den Stielen befestigt.
Entwicklung des Hauses 7
Das Haus 7 (links vom Turm) ist ein Fachwerkneubau, mit viel Schnitzwerk an den Zeitgeschmack der Renaissance angelehnt und mit einem Gebäudeabstand von nur 3,50m zur Michaeliskirche erbaut. Wände und Decken wurden aus alten abgelagerten Eichenbalken in traditioneller Zimmermannskunst abgebunden und errichtet.
Entwicklung des Hauses 8
Das Haus Nr. 8 ist ein schlichter Putzbau ohne Fachwerk im Innenhof des Wohnheims.
Herausforderungen bei Um- und Ausbau
Besondere Schwierigkeiten bereitete auch das nur 3,20m breite Nachbargebäude und damit schmalste Haus Braunschweigs, das als Überbauung einer Twete im vorigen Jahrhundert entstanden ist. Um wertvolle Wohnfläche zu gewinnen, wurden seinerzeit keine Brandwände gezogen. Beträchtlich war deshalb der Kostenaufwand für die statische Verselbstständigung, für die injektive Bodenverfestigung, aber auch für Wiederherstellung und Beseitigung von Schäden, die bei einer derart labilen Fachwerksubstanz kaum zu vermeiden ist.
Bei der Planung ist bei den Neubauten die alte Parzellenstruktur ebenso wieder aufgenommen worden wie die für Braunschweig typischen, stark wechselnden Traufhöhen der Dächer. Abgelagertes Eichenholz aus Abbruchbeständen ist hierfür wiederverwendet worden, Dachflächen und Giebelwände sind mit alten, handgeformten Krempziegeln eingedeckt.
Webseite zur Traditionsinsel "Michaelis" auf braunschweig.de
Quelle:
Informationsschrift des Studentenwerks Braunschweig ©1989. Auszug mit freundlicher Genehmigung des Studentenwerks Braunschweig.
Übertragen in HTML im Jahre 1999 durch den Vorstand des MichaelisNet e.V. und weitere Vereins-Mitarbeiter. Mehrfach überarbeitet in den Jahren 1999, 2000, 2005 und 2006 durch den Vorstand des MichaelisNet e.V. und diverse Vereinsmitglieder.

























